Arbeitnehmervertretung – Vergleich zwischen Österreich und Schweden

in den vergangenen Wochen habe ich versucht, einen Vergleich zwischen der ArbeitnehmerInnenvertretung in Österreich und jener in Schweden zu erarbeiten. Dazu haben wir uns eines Hilfsmittels bedient um Übersetzungsfehler zu vermeiden – es gibt somit eine schwedische und eine deutsche Version von unserem Vergleich! (Das Hilfsmittel findet ihr ganz unten in der Quellenangabe).

Das Ergebnis könnt ihr hier bestaunen:

 

  Österreich Schweden
Bevölkerung 8,4 Mio 9,5 Mio
Kollektivvertragliche/ Tarifvertragliche Abdeckung 95% 88%
Gewerkschaftlicher Organisationsgrad 28% 70%
Hauptebene der KV/TV-Verhandlungen Branche Branche aber hauptsächlich auf Unternehmensebene
Betriebliche Interessenvertretung Betriebsrat (alle Betriebe in denen mehr als 5 Personen beschäftigt sind haben entsprechend der Anzahl der ArbeitnehmerInnen einen Betriebsrat einzusetzen), Jugendvertrauensrat, BehindertenvertrauenspersonenUmfangreiche Informations-, Interventions- und MitwirkungsrechteGewähltes Organ der ArbeitnehmerschaftKeine Pflicht zur GewerkschaftsmitgliedschaftBetriebsräte bilden die Basisstruktur der Gewerkschaftsarbeit im Betrieb1x/Monat BetriebsratssitzungAlle 3 Monate Wirtschaftsgespräche mit dem AGKündigungs- und EntlassungsschutzFreistellung GewerkschaftKeine gewählte Struktur an Belegschaftsvertretern im Betrieb; Grund: hoher Organisationsgrad der Gewerkschaften und maßgeblicher Einfluss derselbenBefugnisse der Gewerkschaft werden ihr per Gesetz verliehen (MBL 1976) – ähnliche Rechte und Pflichten wie Betriebsräte (bei maßgeblichen betrieblichen Veränderungen ist mit der Gewerkschaft darüber zu verhandeln)Den Verhandlungen ist ein betrieblicher „Ansprechpartner“ beizuziehen (AN)
Unternehmensstruktur Dualistisch (Trennung von Geschäftsführung (Vorstand) und Überwachung (Aufsichtsrat)) Monistisch (Geschäftsführung und Überwachung sind nicht zwangsläufig voneinander getrennte Organe)
Dachverbände der Gewerkschaften ÖGB LO, TCO und SACO
„Teilgewerkschaften“ ÖGB:

  • GPA-djp (Gewerkschaft

der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier)

  • PRO-GE (Produktionsgewerkschaft)
  • GÖD (Gewerkschaft öffentlicher Dienst)
  • GdG-kmsfb (Gewerkschaft der Gemeinde-bediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe)
  • Vida (Verkehrs- und Dienstleistungs-gewerkschaft)
  • GPF (Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten)
  • GBH (Gewerkschaft Bau-Holz)
LO (Arbeiter) – nach Branchen organisiert:

  • Elektrizität
  • Bau und Konstruktion
  • Medientechnik und Grafik
  • Handel
  • Hotel- und Gastgewerbe
  • Kommunal
  • Industrie
  • Musik
  • Maler
  • Papier
  • Service und Kommunikation
  • Transport
  • Dienstleistung
  • Metallindustrie
  • Industrie
  • Gebäude

TCO (Angestellte) – nach Branchen organisiert:

  • Verwaltungsangestellte
  • Technische Angestellte in der Industrie
  • Einzelhandel
  • Vertrieb
  • Lehrer
  • Zoll
  • Theater
  • Musiker
  • Regierungsangestellte
  • Bankangestellte
  • Journalisten
  • Polizei
  • Gesundheitsberufe
  • Beamte
  • Verteidigung

SACO (Akademiker) – nach Berufen organisiert:

http://www.saco.se/en/Affiliated-associations/

KV-/TV-Verhandlungen Verhandlungen werden zwischen Gewerkschaft (freiwillige Interessenvertretung) und Wirtschaftskammer (Pflichtmitgliedschaft) oder Arbeitgeberverbänden (z.B.: Druck- und Zeitungsindustrie VÖZ) auf Branchenebene geführt.Außenseiterwirkung: Auch für jene ArbeitnehmerInnen, die keine Gewerkschaftsmitglieder sind, hat der Kollektivvertrag Gültigkeit.Laufzeit der Kollektivverträge beträgt (üblicherweise) ein JahrGegenstand der Verhandlungen: Lohn- bzw. Gehaltsverhandlungen, Arbeitszeit, Überstundenabgeltung, zusätzliche Freizeit, Dienstverhinderungen,… Rund 60 Gewerkschaften und 50 Arbeitgeberverbände führen die Verhandlungen auf Branchenebene, auf Betriebsebene werden die Verhandlungen zwischen den lokalen Gewerkschaftsorganisationen und dem Arbeitgeber geführt.Gleich wie in Österreich gilt der Tarifvertrag für alle Arbeitnehmer, unabhängig davon, ob sie Gewerkschaftsmitglied sind oder nicht (Außenseiterwirkung)Laufzeit der Tarifverträge beträgt je nach Vereinbarung zwischen 1 und 3 JahrenGegenstand der Verhandlungen: Lohn- bzw. Gehaltsverhandlungen, Arbeitszeit, Krankengeld, Betriebspensionen,…
Unternehmensmitbestimmung 1/3 der Aufsichtsratsmitglieder sind ArbeitnehmerInnenvertreter (in AGs und GmbHs mit mindestens 300 AN)Die ArbeitnehmerInnenvertreter im Aufsichtsrat werden vom Betriebsrat gewählt und müssen Betriebsratsmitglieder und Beschäftigte des betreffenden Unternehmens sein.
Die ArbeitnehmerInnenvertreter im Aufsichtsrat haben die selben Rechte und Pflichten wie die anderen AR-Mitglieder, werden aber nicht für ihre Tätigkeit im AR bezahlt (Entgeltfortzahlung und Aufwandsentschädigung)
Die Arbeitnehmer sind im Leitungsgremium (Board) fast aller Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten vertreten.
Es gibt zwei oder drei Arbeitnehmervertreter und sie stellen in den meisten Unternehmen rund ein Drittel der Board-Mitglieder. Gleich wie in Österreich erhalten sie keine Bezahlung für ihre Tätigkeit im Aufsichtsrat.
Sie werden von der Gewerkschaft ernannt und sind im Allgemeinen Schlüsselfiguren im Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern.Die Arbeitnehmervertreter im Board werden von der lokalen Gewerkschaft, mit welcher der Arbeitgeber eine Tarifvereinbarung abgeschlossen hat, ernannt.

 

Quellen: http://de.worker-participation.eu/Nationale-Arbeitsbeziehungen/Laender und Kommunal