BIO.ME. – Der Arbeitskampf der Gegenwart

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Die Firma BIO.ME. wurde im Jahr 1965 errichtet und befindet sich am Stadtrand von Thessaloniki. Bis zu dem Zeitpunkt (vor ca.1 1/2 Jahren) , an dem der Firmenchef bechloss diese gewinnbringende Firma zu schließen, wurden hier Materialien wie Fliesenkleber, Putzmittel,… hergestellt. Durchschnittlich waren hier ~ 70 ArbeitnehmerInnen beschäftigt.

Nachdem die ArbeitnehmerInnen über 9 Monate trotz Arbeit keine Löhne erhielten traten sie in den Streik und verhinderten den Abtransport der Werkzeuge und der sich im Lager befindlichen Materialien.

Herstellungsmaschine

Herstellungsmaschine

Seit diesem Zeitpunkt ist das Firmengelände von den Arbeitern besetzt und wird über 24 Stunden bewacht.

Das gut Abgeriegelte Firmenareal

Das Eingangstor des gut abgeriegelten Firmenareals

Das Werk wird von nun an selbstverwaltend von den Arbeitern geführt. Mit der kürzlich erhaltenen Steuernummer ist ein wichtiger Schritt in Richtung Wiederaufnahme des Betriebes geglückt.

Der Traum der Arbeitnehmerinnen ist es, BIO – Hygieneartikel wie zum Beispiel Waschmittel oder Seife herzustellen und diese zu exportieren. Die Arbeiter erzählen, dass sie bereits Abnehmer aus dem Ausland an der Hand haben. Das einzige Problem ist, dass sie keine Lizenz zum produzieren haben. – Weiters erzählen sie, dass noch ein steiniger Weg vor Ihnen liegt, sie diesen jedoch beschreiten werden und am Ziel einer selbstverwaltenden Firma mit einer starken Produktion ankommen werden.

Solidarität mit den Arbeitern von BIO.ME

Solidarität mit den Arbeitern von BIO.ME

 

ArbeitnehmerInnengeschichte in Thessaloniki

Mit einem unserer wertvollsten Kontaktpersonen in Thessaloniki – Janis machten wir uns auf den Weg um die ArbeitnehmerInnengeschichte in Thessaloniki zu erkunden. Janis startete unseren Rundgang an einem geschichtsträchtigen Ort – an der Venizelou Straße. Hier erinnert ein Denkmal an den Parlamentarier und Friedenskämpfer Grigoris Lambrakis, der im Kampf um den Frieden am 22.Mai 1963 bei einer Kundgebung von einer Privatperson auf offener Straße erschossen wurde.

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vor dem geschichtsträchtigen Denkmal

Der nächste gechichtsträchtige Ort, an dem wir gebracht wurden, war der Börsenplatz:

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In den 30er Jahren konnten die ArbeitneherInnen in Thessaloniki Ihre Familien trotz Arbeit kaum mehr ernähren. Im Gegensatz dazu wurde auf der Börse heftig spekuliert und Geld verzockt. Im Jahr 1936 lief das Fass endgültig über… – die Arbeitnehmerinnen legten Ihre Arbeit nieder und traten in den Streik. Tausende von Ihnen versammelten sich auf dem am Bild sichtbaren Börsenplatz.

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Diese Schrift, am Straßenrand, nicht weit vom Börsenplatz entfernt, erinnert an einen am 9.Mai 1936 von der Polizei erschossenen 22- jährigen Streikenden. Er war nicht bewaffnet und ging lediglich für seine Rechte auf die Straße. Leider verlor er dabei sein Leben.

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Ein scheinbar ganz normales Kaffeehaus? – Leider ist dies nicht so… Auch hier kam in den 30er Jahren ein Arbeitnehmer, der um seine Rechte kämpfte ums Leben.

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An dieser Stelle wurde am 9.Mai 1936 ein junger 25- jähriger LKW – Fahrer von der Polizei ermordet. Sein Leichnam wurde in einer Holzkiste aufbewahrt und als Mahnzeichen durch die Stadt getragen. Tausende Menschen schlossen sich dieser Zeremonie an.

Das Bild des jungen, toten LKW – Fahrers mit dessen weinender Mutter an seiner Seite (die bei Bekanntwerden des Todes Ihres Sohnes sofort zu dieser Stelle eilte) erlangte Weltberühmtheit. Auch deshalb, weil sich der griechische Dichter Janis Ritsos daran inspirierte und darüber dichtete.

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Dieses Mahnmahl befindet sich nicht unweit von der Polizeizentrale von Thessaloniki entfernt und soll an die vielen Toten des im Mai 1963 stattfindenden Arbeitskampfes erinnern.

Niemals vergessen! – Damit so etwas schreckliches nie mehr passiert!

Suppenküche in Thessaloniki

Der Eingang im Zentrum von Thessaloniki, unscheinbar und düster. Im ersten Stock bereiten freiwillige Helfer bereits das Essen für die Speiseausgabe vor.

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Hier wird nicht gefragt woher man kommt, braucht keinen Ausweis oder eine Bestätigung von irgendeinem Amt um hier Essen zu bekommen. Junge Menschen, Drogenabhängige und Alkoholopfer. – Auffallend sind hier auch sehr betagte Menschen, denen es kaum möglich ist, in den ersten Stock zu kommen. Im Hintergrund griechische Musik mit hoffnungsvollen Texten vom besseren Leben, erzählt uns ein Helfender. – Leben auf den Straßen gehört für diese Gruppe zu Alltag.

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Offen ist diese Küche nur an Wochenenden und an diesen Tag werden mit unserer Mithilfe 160 Teller mit Nudeln, ein wenig Fleisch, Salat und Tee ausgeteilt. Ein Herr fällt hier auf, einigermaßen gut gekleidet. Er ist Professor an der Uni von Thessaloniki, wäscht jeden Samstag, fast wortlos das gesamte Geschirr ab und wird liebevoll „bester Miele Geschirrspüler aller Zeiten“ genannt.

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Meistens am Dienstag gibt es ein Fest für Freunde, da wird Bier serviert und kassiert, mit diesen Einnahmen und abhängig von Spenden, hält sich diese Institution, die Basisdemokratisch geführt wird über Wasser.

Mahlzeit/Kali or exi

Der Gewerkschaftsaustausch geht weiter

Gespräch mit dem Leitenden Metall – Sekretär in Thessaloniki:

Wie berichtet, hatten wir in Athen einen sehr bereichernden Austausch mit den Kollegen des Gewerkschaftsdachverbandes – der GSEE. Zurück in Thessaloniki führten wir Gespräche mit der Branchengewerkschaft Metall.

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Die Gewerkschaftsstruktur:
Ab 200 ArbeitnehmerInnen werden im Betrieb neben den BetriebsrätInnen die GewerkschaftsvertreterInnen gewählt.

Die gewählten GewerkschaftsvertreterInnen finden sich in den Branchenverbänden der Gewerkschaft wieder. In diesen Branchen werden/wurden die Brancheninteressen gebündelt vertreten und Kollektivverträge verhandelt. Aufgrund der Einschnitte der letzten Jahre und die derzeitige Bedeutungslosikeit von Kollektivverträgen liegt die Betonung auf – KV`s wurden verhandelt!

Von diesen Branchenverbänden werden Vertreterinnen in den Dachverband, der GSEE entsandt. Hier wird die gemeinsame Linie zu Allgemeinpolitischen Themen festgelegt. Da es innerhalb dieses überparteilichen Verbandes über 5 politische Fraktionen gibt, findet die Willensbildung in einem spannenden Prozess statt.

Die Metallfirmen in Thessaloniki:
Thessaloniki war früher eine Industriestadt, in der viele Arbeitsplätze vorhanden waren. Seit dem Jahr 1993 wurden diese systematisch, Stück für Stück von hier ins benachbarte Ausland abgesiedelt. – Tausende Arbeitsplätze gingen verloren.

Ein Gewerkschaftssekretär erzählt uns, dass dies unter anderen ein bewusster Schritt- der Europäischen Union war, die den Firmen für die Absiedlung Geld gab. Weiters wurden die Möglichkeiten des Hafens nicht mehr zur Gänze genützt, Textilfirmen geschlossen, die Tabakindustrie- und Agrarwirtschaft wurden zurückgefahren.

  • Die zur Zeit größte Metallfirma in Thessaloniki ist ELVO. Hier sind ~ 350 Arbeitnehmerinnen beschäftigt. In dieser werden Fahrzeuge für das Militär, die Feuerwehr und Busse für die Stadt hergestellt.
Gesrpäch mit dem Leitenden Sekretär der Metellgewerkschaft Thessaloniki

Gesrpäch mit dem Leitenden Sekretär der Metellgewerkschaft Thessaloniki

Nach einem sehr intensiven Gespräch mit vielen Schwerpunkten fragten wir den Gewerkschaftssekretär nach seiner Prognose für die Zukunft von Griechenland. – Er antwortete uns, dass es den Leuten in Zukunft noch schlechter als jetzt gehen wird. – Einziger Unterschied wird sein, dass Tricksereien in der Arbeitslosenstatistik stattfinden werden, damit nach aussen der Schein der Besserung gewahrt wird.

Auswirkungen der Krise! – Die Fakten

Neben dem spanneden politischen Schwerpunkt zur EU – Wahl hatten wir die letzten Tage in Athen die Gelegenheit mit dem Bildungssekretär der GSEE – Gerasimos Kokkinos und einem seiner Gewerkschaftskollegen in Kontakt zu treten. In den lebhaft geführten Diskussionen wurden uns die tatsächlichen Auswirkungen der Krise und die damit verbundenen Probleme im Sozial- und Gesundheitssystem nochmals vor Augen geführt.

Bürobesprechung bei der Gwerkschaft GSEE in Athen

Bürobesprechung bei der Gwerkschaft GSEE in Athen

Griechenland steht seit dem Jahr 2010 unter der Schirmherrschaft der TROIKA, bestehend aus der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfond und der Europäischen Kommission. Dieser Zusammenschluss legte der Griechischen Bevölkerung irrsinnige Einsparungen auf, dessen Auswirkungen und die damit unzumutbaren Zustände vor Ort mittlerweile erschreckend sichtbar werden. Öffentliche Gehälter wurden gekürzt, Sozialausgaben zurückgefahren und Kollektivverträge wurden durch gesetzliche Änderungen in die Bedeutungslosigkeit geführt.

  • Arbeitszeitung wurden den Interessen der Industrie angepasst –  10 bis 12 Stundentage sind jetzt Realität
  • Kollektivverträge wurden durch Abschaffung des Günstigkeitsprinzips ausser Kraft gesetzt
  • Der durchschnittliche Verdienst sank um 29%.
  • Der Mindestlohn bei unter 25- jährigen liegt bei €430 netto/ Monat. Der Mindestlohn bei über 25- jährigen Beschäftigten liegt bei € 490 netto/Monat. Dies ist eine Kürzung von 16,3%.
  • Arbeitsverträge wurden zwangsweise geändert oder gelöst
  • 50% der neuen Arbeitsverträge sind flexible
  • Es gibt keine verpflichtenden Überstunden oder Feiertagszuschläge mehr
  • Nur mehr ~ 8% der Arbeitsverträge richten sich nach den Regelungen des Kollektivvertrages
  • Arbeitslosigkeit: 27,6%, Jugendliche bis 25 Jahre = 57,3%
  • Pensionen wurden bedrohlich gekürzt
  • 20 neue Massensteuern wurden eingeführt/ Reiche werden noch immer nicht fair besteuert
  • 97% der Betriebe sind Klein- und Mittelbetriebe, davon haben seit der Wirtschaftskrise 40% geschlossen
  • Von 2008 bis 2013 sank das BIP um 25%, Die Produktivität sank um 23,5%
  • Die Sozialausgaben wurden um 26,99% gekürzt
  • die Obdachlosigkeit nahm um 25% zu
  • 35% der Familien haben Ihre Häuser verloren
  • Einer von 5 Griechen hat keine Krankenversicherung
  • Kinder leiden unter Zahnschäden und Unterernährung
  • Junge GriechInnen verlassen wegen Perspektivenlosigkeit Ihre Heimat

Diese Auflistung scheint umfangreich zu sein. – Leider ist sie nur ein Auszug der wichtigsten Fakten…

 

 

 

 

Der Wahlabend

25.Mai 2014 – Die Europawahl wurde abgehalten! Nicht zuletzt aufgrund der durch die Europäischen Uniion auferlegten Sparmaßnahmen und die damit ausgebrochene Armut vieler GriechInnen, ist hier der Tag der Europawahl ein sehr spannender.

Markus und ich hatten die Möglichkeit, an diesem politisch sehr ereignisreichen Tag direkt vor Ort zu sein. – Gespannt verfolgten wir den Wahlabend bei einer Veranstaltung der Oppositionspartei Syriza.

Gespanntes Warten auf das Wahlergebnis

Gespanntes Warten auf das Wahlergebnis

Ein Parteifunktionär erklärte uns das Auszählungsverfahren. Die angewandte Methode ist eine sehr komplzierte und benötigt viel Zeit.

Ab 19:50 wurden die Tendenzen der einzelnen Regionen auf einer Leinwand übertragen. – Immer wieder brach Jubel aus!

Die Ergebnisse der einzelnen Regionen

Die Ergebnisse der einzelnen Regionen

Nachdem kurz vor Mitternacht endgültig klar wurde, dass die Partei Syriza  Stimmenstärkste Partei ist, brach ausgelassener Jubel aus!

Bekanntgabe des Wahlergebnisses - Jubel brach aus!

Bekanntgabe des Wahlergebnisses – Jubel brach aus!

Nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses kam die Spitzenkanditatin für die Stadt Athen auf die Wahlfeier. Wir nutzten die Chance und traten mit Ihr in Kontakt.

Wahlsiegerin zur EU-Wahl für die Stadt Athen

Wahlsiegerin zur EU-Wahl für die Stadt Athen

Als wir die heutigen Griechischen Tageszeitungen studierten, wurde uns richtig klar, welche einzigartige Chance wir gestern genützt hatten. Der Kontakt mit den AktivistInnen und der Spitzenkanditatin (von Athen) der Partei Szyriza war für uns einzigartig!

– Vor allem, weil der Großteil der Griechischen Bevölkerung unglaubliche Hoffnung in diese Bewegung setzt und sich durch diese die politische Wende erhoffen.

Die Tageszeitungen von Athen berichten über den Wahlsieg Ihrer Spitzenkanditatin

Die Tageszeitungen von Athen berichten über den Wahlsieg Ihrer Spitzenkanditatin

Das Griechische EU-Wahlergebnis

Das Griechische EU-Wahlergebnis

 

Die politische Landschaft

Bevor es am Donnerstag mit dem Zug nach Athen weiterging, hatte ich noch die Möglichkeit einiges über die politische Situation in Griechenlaned zu erfahren. Am Abend besuchte ich die Rede des Sitzenkanditaten von Syriza, der diese am Hauptplatz von Thessaloniki  vor Massen von Menschen abhielt.

Rede des Syriza Spitzenkanditaten zur EU-Wahl

Massen verfolgten die Rede

Das Kräfteverhältnis der Parteien (seit 2012):

Die ND (Konservative Partei) und die PASOK (Sozialdemokraten) bilden eine Koalition. Die ND hat die Mehrheit der Stimmen. Trotz eines enormen Einbruchs der Stimmen ist die PASOK weiterhin eine der Regierungsparteien.

Die derzeit stärkste Oppositionspartei ist die Linke Syriza. Sie war die zweitstärkste Partei bei den Wahlen im Jahr 2012. Sie ist die Hoffnung vieler ArbeitnehmerInnen und und errang bei den am letzten Sonntag stattfindeten Regionalwahlen in Athen und den Gebieten rund um Athen erstmals die Mehrheit an Stimmen. Diese Partei erhofft sich für die heute stattfindenden EU-Wahlen eine Mehrheit, um im nächsten Schritt die Nationale Regierung unter Druck zu setzen und dadurch Neuwahlen zu erzwingen.

Rede des Syriza Spitzenkanditaten zur EU-Wahl

Rede des Syriza Spitzenkanditaten zur EU-Wahl

Der Aufstieg der Rechten Patei Golden Town:

Die Rechte Partei Golden Town wird von den unterschiedlichsten Personen als Faschistische Partei mit einem großen Gefahrenpotential beschrieben. Ein Grieche erklärt, dass Ihr Parteiprogramm teilweise eins zu eins mit dem der damaligen Nationalsozialisten ident ist! – Diese jedoch als Partei offiziell anerkannt ist und die letzten Jahre hinweg immer mehr an Zustimmung gewann. So hatte sie vor 4 Jahren noch eine Zustimmung von 0,1%, bei den Parlamentswahlen 2012 schon
~ 7% und bei den letzten Sonntag stattfindenden Regionalwahlen in Athen bereits 16,1%. Bei den EU Wahlen rechnen sie sich eine Stärke von über 12% aus. Auf die Frage ob, sollte diese Partei jemals an die Macht kommen, dann Krieg herrschen würde, erklärt mir ein Grieche, dass er dies nicht glaubt. – Sie würden anders Denkende verfolgen – aber nicht sichtbar!

Ein anderer Grieche bringt die derzeitige politische Situation mit folgenden Worten auf den Punkt:

„Die Demokratie wurde in Griechenland geboren – und jetzt haben wir diese Probleme.“

Weltkonzern Coca-Cola treibt ArbeitnehmerInnen zur Verzweiflung

Am Dienstag ging es munter weiter – es stand ein Treffen mit der NOOP Gewerkschaft auf dem Programm. Nur was mich dort erwartete stimmte mich sehr bedenklich und machte mich wütend…

Treffen mit der Gewerkschaft und Streikenden

Treffen mit der Gewerkschaft und Streikenden

Die NOOP sind für die Anliegen der in Getränkeabfüllenden Firmen tätigen ArbeitnehmerInnen in Griechenland zuständig. Hier koordinieren sich auch die BetriebsrätInnen.

Zu Coca – Cola:
Der Firmenhauptsitz von Coca Cola liegt in den USA. Darüber hinaus hat Coca – Cola in 28 verschiedenen Ländern Subunternehmen. Unter anderem auch eines in Thessaloniki. (Auch in Österreich befindet sich ein Standort).

Der Konzern Coca – Cola schreibt seit Jahren Gewinne über Gewinne. Dies ist ja sehr positiv. Das Problem ist, dass in dieser Firma unvorstellbare Gier den Ton angibt. Die Firmenführung will immer mehr Gewinne schreiben. Die Gewinne werden am Rücken der ArbeitnehmerInnen erwirtschaftet.

So geht Coca Cola in Thessaloniki folgendermaßen aggressiv vor:

Sie gliedern so gut wie alle Tätigkeiten aus dem Subunternehmen in Thessaloniki aus und schließen dadurch Abteilungen von Coca Cola. Für die Verrichtung der geschlossenen Tätigkeiten werden weitere Subunternehmen gegründet. Viele Arbeitsverträge der ArbeitnehmerInnen wurden durch diese Vorgehensweise gekündigt oder ein zwangsweiser Wechsel auf einen schlechteren Arbeitsvertrag wurde vollzogen. Vor 5 Jahren wurde mit dieser kapitalistischen Vorgehensweise begonnen. Immer mit dem vorgeschobenen Argument der Krisenbekämpfung.

Hierzu Erzählungen einer betroffenden Person:

Sicherheitspersonen (Securities) wurden von Cola gekündigt – stattdessen wurde ein Subunternehmen gegründet und Personen mit einem schlechteren Arbeitsvertrag eingestellt.

Reinigungskräfte wurden ebenfalls gekündigt – ein Subunternehmen wurde für diese Tätigkeit gegründet und Personen mit einem schlechteren Arbeitsvertrag verrichten ab diesem Zeitpunkt die Reinigungsarbeiten.

Weiters wurde in den Jahren 2011/2012 einzelne Abteilungen der Produktion geschlossen und einzelne Teile des Griechischen Standorts wurden in die Schweiz verlagert, damit man weniger Steuern zahlt. – So waren am Coca Cola Standort in Thessaloniki vor 3 Jahren noch rund 500 ArbeitnehmerInnen beschäftigt. Zur Zeit sind dies nur mehr knappe 80.

Vor knapp 8 Monaten war für 55 ArbeitnehmerInnen der Gipfel der Frechheiten von Coca – Cola erreicht. Sie traten in den Streik und führen bis heute diesen Arbeitskampf. Sie verlangen vom Weltkonzern Coca – Cola Arbeitsplätze von denen sie leben können! – Durch Ihre Arbeit im Gewinnschreibenden Unternehmen Coca – Cola wollen sie sich Ihr (Über)leben leisten können!

Ein Streikender erzählt, mit emotionaler Stimme, dass sie seit dieser Zeit weder Entgelt noch Streikgeld erhalten und dass sich unter den Streikenden auch Familienväter befinden, die mit Ihrem Einkommen Ihre Familie ernähren müssen. Auch diese sind noch immer entschlossen und werden im Kampf um faire Arbeitsplätze nicht aufgeben! – Er betont, dass sie diesen Kampf fertigkämpfen werden!

In Anbetracht dessen, dass die Firmenleitung von Coca – Cola den streikenden erhebliche Einmalzahlungen angeboten hatten, dass diese Ihre Arbeitsverhältnisse freiwillig kündigen – dies aber diese 55 streikenden Arbeitnehmer nicht getan hatten, wird mir klar, dass hier die wahren Helden der Arbeit Ihren Kampf führen!

Neben der Niederlegung der Arbeit wird gemeinsam von den BetriebsrätInnen und der NOOP Gewerkschaft seit knapp 8 Monaten eine Kampagne durchgeführt, in der sie zum Boykott der Produkte von Coca Cola aufrufen. – Dies geschieht per Flugblätterverteilung und mittels der Sozialen Medien Facebook und Twitter. Erste Erfolge durch diese Vorgehensweise sind bereits sichtbar. Coca – Cola verliert in Thessaloniki immer mehr den Markt an die kleineren Hersteller. Weiters wurden Sensibilisierungsschwerpunkte in der einzelnen weltweiten Coca – Cola Werken initiiert.

Eines muss jedem klar sein – es handelt sich hier um eine Vorgehensweise die in Griechenland getestet wird. Geht diese hier ohne Widerstand durch, so wird sich Coca Cola bestätigt fühlen und auch in den anderen Ländern diese Vorgehensweise wählen.

Eines wird mir hier klar: Die ArbeitnehmerInnen von Cola führen Ihren Arbeitskampf für die weltweit beschäftigten ArbeitnehmerInnen bei Coca – Cola. – Für mich sind Sie echte Helden!

Das Referendum über die Wasserprivatisierung

Kathrin und ich die zwei Österreichischen Observer

Kathrin und ich – die zwei Österreichischen Observer

Sonntag, 7:00 – Kathrin und ich nehmen die Verantwortung der Österreichischen Delegation in die Hand und beginnen unsere Arbeit als zwei von 30 Offiziellen Internationalen Beobachtern des Referendums zur Wasserprivatisierung. Unsere Aufgabe ist es, 4 Wahlorte in regelmäßigen Abständen zu besuchen und sie auf besondere Vorkomnisse zu prüfen. Aufgrund der am Sonntag stattgefundenen, turbulenten Ereignisse war es unsere Aufgabe ein besonderes Augenmerk auf Äußere Einwirkungen zu legen.

Entgegen einigen Befürchtungen gab es im ganzen Beobachtungszeitraum (7:00-19:00) keine gröberen Einwirkungen von außen. Was mir persönlich auffiel, war, dass sich an dem Referendum alle Bevölkerungsschichten beteiligten. – Man merkt – es geht um ein Überlebensnotwendiges Gut aller Menschen – dem Wasser!

die Abstimmung

die Abstimmung

Nach einem ereignisreichen Tag wurden die Stimmen versiegelt und zur Auszählung in das Konferenzzentrum gebracht. Die rund 210.000 abgegebenen Stimmen wurden hier ausgezählt. Kathrin und ich hielten die Ehre von Österreich hoch und zählten gemeinsam mit den Griechischen KollegInnen die abgegebenen Stimmen aus.

auszaehlung

in einzelnen Teams wurde ausgezählt

beim Auzählen

Morgens, um 2:54 war es soweit – alle Stimmzettel sind ausgezählt und das Abstimmungsergebnis wurde bekanntgegeben:

Rund 210.000 Menschen stimmten ab. Davon stimmten 98,11% gegen die Privatisierung und 1,99% für die Privatisierung des Wassers.

Der Wille der Bevolkerung ist eindeutig sichtbar – sie wollen dass Ihr Wasser in Öffentlicher Hand bleibt! Da diese Befragung nicht bindend ist, bleibt abzuwarten wie die Regierung darauf reagiert…

Nachbesprechung der Internationalen BeobachterInnen

Am Montag wurde die Nachbesprechung der am Vortag beobachteten Abstimmung abgehalten. Man kam nach einer eingehenden Diskussion auf das Ergenis, dass die Abstimmung im Großen und Ganzem sehr korrekt abgehalten wurde.

International Observers

Nachbesprechung der International Observers

 

 

Die Wasserprivatisierung

Wie im letzten Beitrag bereits kurz erwähnt hat das morgig stattfindende Referendum zur Wasserprivatisierung für die AktivistInnen in Thessaloniki zur Zeit die höchste Priorität.

Zur Situation:
Auf Druck des Austeritäts – Programm von der Troika der EU – Komission, der Europäischen Zentralbank und des IMF hat die Griechische Regierung vor, das Wasser in Athen und in Thessaloniki zu privatisieren. Da sich dies hier die AktivistInnen (vor allem junge Menschen und Arbeiter) nicht gefallen lassen wollen, haben sie ein Referendum/Abstimmung initiert, dass morgen, am 18.Mai 2014 stattfinden wird. Hierbei erhofft man sich große Abstimmungsbeteiligung und hohe Ablehnung der Privatisierung. Um dies zu erreichen wurden die letzten Monate unzählige Aufklärungsaktivitäten und Veranstaltungen gesetzt. – Die letzten 3 Tage waren auch wir Teil davon.

Aktivisten aus Österreich

Aktivisten aus Österreich vor Ort

 

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Neben unzähligen Flyeraktivitäten wurden auch kleinere und größere Straßenkonzerte veranstaltet. Für das größte Konzert neben der Küste haben wir die Bühne aufgestellt:

Beginn des Bühnenaufbaus

Beginn des Bühnenaufbaus

Hmmm, was machen die Österreicher da?

Hmmm, was machen die Österreicher da?

Bist deppat - des geht eini...

Bist deppat – des geht eini…

aber... - es hat sich auszahlt...

aber… – es hat sich auszahlt…

Das Stimmungsbild gegen eine Wasserprivatierung in Thessaloniki hat sich anscheinend bis nach Athen durchgesprochen. Die Regierung hat heute die Abstimmung in den öffentlichen Gebäuden untersagt. Nun wollen die AktivistInnen diese im Freien abhalten. – Die Regierung droht mit Maßnahmen. Unter anderem will sie das Wählerverzeichnis (wegen Datenschutz) verschwinden lassen und droht mit weiteren, drastischeren Maßnahmen. -> und dass alles in einem demokratischen Land in der Europäischen Union – demokratiepolitisch zum SCHÄMEN!!

Nachdem heute eine Pressekonferenz abgehalten wurde, sieht jedoch momentan so aus, als ob die Abstimmung stattfinden wird. Da Kathrin, Markus und ich offizielle österreichische Beobachter (es sind unter anderem Gewerkschafter aus Schweden, Holland, Deutschland, Frankreich,… vor Ort) des morgigen Referendums sein werden, steht uns ein spannender Tag bevor…

Die Delegation aus Österreich gemeinsam mit Giorgos Archontopoulos, dem Betriebsrat des Wasserunternehmens EYATH.

Die Delegation aus Österreich gemeinsam mit Giorgos Archontopoulos, dem Betriebsrat des Wasserunternehmens EYATH.